Tübingen, 01.12.2021: Die CeGaT-Gründer Dr. Dr. Saskia und Dr. Dirk Biskup sowie der Bio-tech-Executive Dr. Klaus Maleck beteiligen sich an der Intavis Peptide Services GmbH & Co. KG (IPS). Die von Dr. Steffen Hüttner gegründete IPS ist ein Peptid-Hersteller mit Sitz in Tübingen. Durch das gemeinsame Engagement wollen die Gesellschafter den Ausbau von GMP-Produktions- und Laboranlagen forcieren. Peptidimpfstoffe werden beispielsweise in der personalisierten Krebsmedizin eingesetzt.

Mit der Beteiligung der neuen Anteilseigner soll IPS zu einem Zentrum für die bedarfsgerechte Herstellung von Wirkstoffen nach GMP-Richtlinien (Good Manufacturing Practice) werden. Die Gesellschafter sehen einen hohen Bedarf an individuellen Wirkstoffen, insbesondere Peptiden, in der Zukunft. Es wird zunehmend mehr individuelle Therapieansätze geben und diese Therapien müssen Wirkstoffe in GMP-Qualität verwenden. Und genau dies ist das gemeinsame Ziel. Die IPS, die heute über eine hochqualitative Produktion von Peptiden für Forschungsanwendungen („non-GMP Peptide“) verfügt, soll um den Bereich der GMP-Produktion erweitert werden.

Tübingen ist eine Peptid-Wirkstoff-Hochburg. Bahnbrechende Forschungsarbeiten von Prof. Hans-Georg Rammensee, ein GMP-Peptid-Labor am UKT, Peptid-Vakzinierungen von Tumorpatienten im Rahmen von klinischen Studien als auch Heilversuchen sowie Unternehmen, die sich auf die Herstellung von Peptiden für Forschungsanwendungen konzentrieren, bilden einen weltweit einzigartigen Schwerpunkt in Tübingen. Die kürzlich veröffentlichten klinischen Studiendaten zu einer COVID Peptidvakzine der Gruppe um Prof. Juliane Walz zeigen die weltweite Spitzenklasse der Forschungsarbeiten am Standort. Die Gesellschafter streben danach, unter dem Dach der IPS das Herstellungs-Knowhow und die entsprechenden Kapazitäten für die Peptid-Produktion zu bündeln und weiter auszubauen. Deshalb bewirbt sich die IPS auch um das Grundstück B16, das zwischen der CeGaT (im Norden) und der IPS (im Süden) liegt. Auf dem Grundstück soll, so der Gemeinderat zustimmt, das Gebäude für die modernste individualisierte Peptid-Produktion der Welt entstehen.

Heute ist es nicht möglich, in ausreichender Schnelligkeit, Qualität und Quantität die Wirkstoffe individualisierter Krebsbehandlungen herzustellen – und genau das wollen wir ändern“, sagt IPS Geschäftsführer Dr. Steffen Hüttner, der weiterhin die Mehrheitsbeteiligung hält. „Rund 20 Mio. Euro sollen in den kommenden fünf Jahren im Biotechnologiepark Tübingen investiert werden, um Abläufe zu automatisieren und weitere Produktionsstätten zu errichten“, so Hüttner weiter.

 

Geballte Expertise: modernste Diagnostik, Bioinformatik und Peptid-Synthese ermöglichen die Transformation von der Diagnose in eine personalisierte Behandlung

Das technische Know-how der an der IPS Beteiligten reicht von genetischer Diagnostik auf Grundlage von Next-Generation-Sequencing und Bioinformatik über humangenetische und onkologische Expertise bis hin zur Wirkstoffherstellung. Das Zusammenspiel dieser Kompetenzen ermöglicht es, Erkenntnisse auf molekularer Ebene in intelligente Wirkstoffkombinationen zu übertragen und dann die Arzneimittel herzustellen, die in der personalisierten Patientenversorgung zum Einsatz kommen.

IPS Geschäftsführer Dr. Steffen Hüttner, sieht das Vorhaben als wichtigen Schritt für den Technologiestandort Tübingen: „IPS unterstützt seit 2005 die Wissenschaft und klinische Praxis mit peptidbasierten Produkten, die für neuartige personalisierte Impfstoffe oder Immuntherapien verwendet werden. Durch die Vernetzung mit weiteren Unternehmen hier in Tübingen, am Exzellenzstandort für Molekularbiologie und Immunologie, können wir mit der Peptid-Herstellung eine herausragende Alleinstellung ermöglichen.“ Auch Dr. Dirk Biskup, Geschäftsführer der CeGaT GmbH, einem weltweit agierenden Anbieter genetischer Analysen und unmittelbarer Nachbar von IPS, sieht große Synergieeffekte. „Mit CeGaT haben wir uns der Präzisionsdiagnostik verschrieben, die die Grundlage für personalisierte Behandlungen ist. Wir möchten, dass die Patientinnen und Patienten den größtmöglichen Nutzen aus den Erkenntnissen erhalten, die wir mittels genetischer Diagnostik gewinnen können. Daher engagieren wir uns auch bei der Herstellung von individualisierten Arzneimitteln“, betont Dr. Dirk Biskup.

 

Erfolgsfaktor personalisierte Medizin in der Krebsbehandlung

Jährlich sterben allein in der Europäischen Union über 3.5 Mio. Menschen an Krebserkrankungen, mit steigendem Trend auch auf Grund des zunehmenden Alters der Bevölkerung. „Individualisierte Behandlung und Prävention aufgrund molekularer und immunologischer Marker ist der Weg in die Medizin der Zukunft. Aktuell ist eine individuelle Krebstherapie für Betroffene nur sehr schwer zugänglich. Durch enge lokale Zusammenarbeit und Vernetzung weltweiter Experten in ihren Bereichen, große Kapazitäten und digitale Automatisierung wollen wir das ändern“, erklärt Dr. Dr. Saskia Biskup, die als Ärztin bereits seit 2013 individuelle Krebsbehandlungen aufgrund molekularer Daten ermöglicht. Die individualisierte Krebsbehandlung ist zusammengesetzt aus einer Kombination von Medikamenten die zusätzlich auch eine individualisierte Tumorvakzine verfügbar macht. Am Ende sind die einzelnen Wirkstoffe in Kombination für jeden Patienten einzigartig.

 

Tübingen: Exzellenzstatus und enge Vernetzung im Bereich der Peptidforschung

Der Einsatz von Peptid-Impfstoffen ist nicht nur auf Krebsbehandlungen beschränkt. „Die Stoffklasse der Peptide hat in Tübingen eine langjährige wissenschaftliche Historie und hat mittlerweile für die Anwendung in der klinischen Therapie einen Exzellenzstatus erreicht. Mit IPS werden wir an diese Erfolgsgeschichte anknüpfen und bereits in den nächsten Jahren mit der GMP-Produktion starten. Mit schnell verfügbaren Wirkstoffen möchten wir nicht nur die behandelnden Ärztinnen und Ärzte unterstützen, sondern auch die Wissenschaft, die klinische Studien mit individuellen GMP-Wirkstoffen durchführt“ betont Dr. Klaus Maleck.